ISO 9001:2026 Kapitel 6
Planung
Kapitel 6 der ISO 9001:2026 macht aus den Grundlagen der Kapitel 4 und 5 konkrete Planung: Risiken und Chancen werden bestimmt und mit Maßnahmen versehen, Qualitätsziele werden festgelegt und Änderungen am QMS werden geplant durchgeführt. Hier sind die Hauptbestandteile des Kapitels 6:
- 6.1 Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen
- 6.2 Qualitätsziele und Planung zu deren Erreichung
- 6.3 Planung von Änderungen
Risiken und Chancen nach ISO 9001:2026 Kapitel 6.1
Risiken (6.1.2)
- Bestimmen, analysieren und bewerten
- Maßnahmen planen, die zur möglichen Auswirkung passen
- In die Prozesse des QMS integrieren
- Wirksamkeit bewerten
Chancen (6.1.3)
- Bestimmen, analysieren und bewerten
- Maßnahmen planen, die zum Kontext passen
- In die Prozesse des QMS integrieren
- Wirksamkeit bewerten
Beides wird getrennt bewertet und fließt getrennt in die Managementbewertung ein.
Kapitel 6.1 Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen
6.1.1 Risiken und Chancen bestimmen
Bei der Planung des QMS berücksichtigt die Organisation die Themen aus 4.1 und die Anforderungen aus 4.2. Daraus bestimmt sie die Risiken und Chancen, die behandelt werden müssen, um
- sicherzustellen, dass das QMS seine beabsichtigten Ergebnisse erreichen kann,
- unerwünschte Auswirkungen zu verhindern oder zu verringern,
- fortlaufende Verbesserung zu erreichen,
- erwünschte Auswirkungen zu verstärken.
Risiken und Chancen sind unterschiedliche Dinge. Sie werden getrennt behandelt.
6.1.2 Maßnahmen zum Umgang mit Risiken
Die Organisation bestimmt, analysiert und bewertet Risiken, die sich nachteilig darauf auswirken können, dass sie fortlaufend und zuverlässig konforme Produkte und Dienstleistungen bereitstellt und die Kundenzufriedenheit erhöht. Sie plant Maßnahmen, plant deren Integration in die Prozesse des QMS und bewertet deren Wirksamkeit. Die Maßnahmen müssen der möglichen Auswirkung auf die beabsichtigten Ergebnisse des QMS angemessen sein. Dazu können auch Risiken für die Lieferfähigkeit während und nach einer Störung gehören. Mögliche Umgangsoptionen sind: das Risiko vermeiden, es bewusst eingehen, um eine Chance zu nutzen, die Risikoquelle beseitigen, Wahrscheinlichkeit oder Auswirkung verändern, das Risiko teilen oder es nach fundierter Entscheidung tragen.
6.1.3 Maßnahmen zum Umgang mit Chancen
Chancen werden eigenständig bestimmt, analysiert und bewertet: Welche positiven Auswirkungen kann das Unternehmen nutzen, um zuverlässig konforme Produkte und Dienstleistungen zu liefern und die Kundenzufriedenheit zu erhöhen? Auch hier plant die Organisation Maßnahmen, integriert sie in ihre Prozesse und bewertet die Wirksamkeit. Das können zum Beispiel neue Praktiken, neue Produkte oder Dienstleistungen, neue Partnerschaften oder der Einsatz neuer Technologien sein.
Die Norm schreibt weder eine bestimmte Bewertungsmethode noch ein formelles Risikomanagement vor. Eine nachvollziehbare, konsequent angewendete Logik reicht. Nicht jedes Risiko braucht eine Maßnahme, aber jedes relevante Risiko braucht eine bewusste und nachvollziehbare Entscheidung. Typische Bewertungskriterien sind Auswirkung, Wahrscheinlichkeit und bestehende Steuerung.
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Kapitel 6.2
Qualitätsziele und Planung zu deren Erreichung
6.2.1 Qualitätsziele
Qualitätsziele werden für relevante Funktionen, Ebenen und Prozesse festgelegt. Sie passen zur Qualitätspolitik, sind messbar oder überprüfbar, berücksichtigen relevante Anforderungen, sind für die Konformität der Produkte und Dienstleistungen und die Kundenzufriedenheit relevant, werden überwacht, kommuniziert und bei Bedarf aktualisiert. Sie müssen als dokumentierte Information verfügbar sein.
6.2.2 Planung zur Erreichung der Qualitätsziele
Für jedes relevante Ziel ist festgelegt, was getan wird, welche Ressourcen nötig sind, wer verantwortlich ist, wann das Ziel erreicht sein soll und wie die Ergebnisse bewertet werden.
Praxis: Ein schwaches Ziel ist „Wir wollen besser werden“. Besser: „Die Reklamationsquote liegt bis zum 31.12. unter 2 % der abgeschlossenen Aufträge.“ Nicht jedes Ziel braucht eine Prozentzahl, ein eindeutiges Prüfkriterium kann genügen, zum Beispiel „Für alle neuen Mitarbeitenden liegt ab einem festgelegten Datum eine ausgefüllte Einarbeitungscheckliste vor.“ Für kleine Unternehmen reichen häufig drei gut gewählte Ziele. Wichtiger als die Anzahl ist die konsequente Verfolgung.
Kapitel 6.3
Planung von Änderungen
Stellt die Organisation fest, dass Änderungen am QMS notwendig sind, führt sie diese geplant durch. Damit Änderungen wirksam umgesetzt werden, berücksichtigt sie:
- den Zweck der Änderung und mögliche Folgen,
- mögliche Auswirkungen auf die Integrität des QMS,
- die Verfügbarkeit von Ressourcen und Informationen,
- die Zuweisung oder Neuzuweisung von Verantwortlichkeiten und Befugnissen,
- die Kommunikation der Änderung,
- wie die Wirksamkeit der Änderung überwacht und bewertet wird,
- wie die Ergebnisse der Änderung überprüft werden.
Die Norm will Veränderung nicht verhindern, sondern ungeplante Änderungen, die das QMS beschädigen. QMS-relevant ist eine Änderung, wenn sie Qualität, Prozesse, Kundenanforderungen, Rollen, Ressourcen, Kompetenz, Nachweise, Lieferanten oder Risiken und Chancen beeinflussen kann. Beispiele sind neue Software, ein neuer Standort, ein neuer wichtiger Lieferant, Outsourcing oder eine neue gesetzliche Anforderung.
Typischer Fehler: Viele QMS-Probleme entstehen nicht durch fehlende Dokumente, sondern durch ungeplante Änderungen, bei denen Risiken, Nachweise und Verantwortlichkeiten nicht nachgezogen werden.
Umsetzung und Nachweis
So weisen Sie Kapitel 6 schlank nach:
- Qualitätsziele als dokumentierte Information, zum Beispiel in einer einfachen Zielübersicht. Das ist die einzige ausdrückliche Pflicht in Kapitel 6.
- Eine Risiko- und Chancenübersicht, in der Risiken und Chancen getrennt geführt werden (zwei Tabellenblätter oder eine Spalte „Typ“), mit einem einfachen Bewertungsschema, zum Beispiel 3×3 aus Wahrscheinlichkeit und Auswirkung, und einer Spalte zur Wirksamkeit. Ausdrücklich gefordert ist sie nicht, im Audit lässt sich die Planung aber kaum ohne Nachweis darstellen.
- Ein Maßnahmenplan mit Quelle, Verantwortlichem, Termin und Wirksamkeitskriterium.
- Ein einfaches Änderungsprotokoll (Change Log) für QMS-relevante Änderungen. Empfohlen, nicht gefordert.
Praxistipp: Eine Risikoanalyse, die einmal erstellt und nie wieder genutzt wird, ist keine Steuerung, sondern Ablage. Besprechen Sie Risiken kurz im QMS-Meeting, vollständig einmal im Jahr in der Managementbewertung und zusätzlich bei wesentlichen Änderungen. Bewerten Sie Chancen einmal im Jahr mit der Geschäftsführung, zum Beispiel vor der Managementbewertung mit Input aus einer SWOT-Analyse.
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Weiter im Überblick: Kapitel 5 Führung | Kapitel 7 Unterstützung | Alle Normkapitel
Alle Normkapitel der ISO9001
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